Ratgeber · Gesicht & Haut

Microdermabrasion: Was sie leistet – und was sie von Hydra-Dermabrasion trennt

Microdermabrasion ist ein mechanisches Peeling und deutlich besser untersucht als die Hydra-Dermabrasion. Hier lesen Sie, wie Kristall- und Diamantverfahren arbeiten, was Studien zur Wirkung sagen und wie sich die Microdermabrasion von Hydra-Dermabrasion und Microneedling unterscheidet.

Stand 01.10.2026 · Fachbeitrag mit Quellen

Symbolbild, mit KI erstellt

Was ist Microdermabrasion?

Microdermabrasion, auch Microdermabrasion geschrieben, ist ein mechanisches Peeling der obersten Hornschicht. Es gibt 2 Verfahren:

  • Kristall-Microdermabrasion: Ein Applikator bläst feine Aluminiumoxid-Kristalle oder andere Schleifmittel auf die Haut und saugt sie zusammen mit den gelösten Hautschüppchen wieder ab.
  • Diamant-Microdermabrasion: Ein Aufsatz mit Diamantbesatz trägt ab; Kristalle sind nicht nötig.

Die Behandlung ähnelt der Hydra-Dermabrasion, die ohne Schleifmittel mit Flüssigkeit arbeitet. Wie diese abläuft, steht im Beitrag Was ist Aquafacial?

Wie wirkt Microdermabrasion in der Haut?

Schon nach einer einzelnen Behandlung setzt in der Haut eine Wundheilungsreaktion ein, bei nur geringer Störung der Oberhaut. In einer Laborstudie steigerte die Kombination aus Kristallabrieb und Unterdruck die Aktivität von Genen, die den Umbau der Lederhaut steuern; Unterdruck allein wirkte schwächer. Ob diese molekularen Veränderungen sichtbar wirken, ist nach den Autoren offen.

Gewebeproben zeigen nach 6 Behandlungen im Abstand von 7 bis 10 Tagen eine dickere Ober- und Lederhaut mit neuen Kollagen- und elastischen Fasern; 90 Tage nach der letzten Behandlung waren die Veränderungen noch teilweise vorhanden. Nach 8 wöchentlichen Behandlungen änderte sich die Dicke der Oberhaut in einer anderen Studie nicht signifikant, das Kollagen war aber dichter und regelmäßiger angeordnet.

Was ist zur Wirkung belegt?

Die klinischen Effekte sind mild, die Studien meist klein:

  • Übersichtsarbeiten: Eine evidenzbasierte Übersicht von 2010 hält fest, dass Microdermabrasion die Bindegewebsstruktur verändern und Unebenheiten der Kontur verbessern kann; bei Pigmentstörungen und Akne sei ihre Rolle begrenzt. Eine weitere Übersicht berichtet einen milden Nutzen bei lichtgealterter Haut, eine dritte sieht eine große Lücke zwischen Beliebtheit und wissenschaftlichen Daten.
  • Vergleich mit Fruchtsäure: In einem Halbseitenvergleich mit einem Glykolsäure-Peeling (10 Personen, 6 Wochen) fanden Ärztinnen und Ärzte und der Fotovergleich keine signifikante Besserung gegenüber dem Ausgangszustand.
  • Kontrollierte Studie: Nach 8 wöchentlichen Sitzungen sahen alle Beurteilenden weniger Pigmentflecken; eine Besserung feiner Fältchen sahen nur die nichtärztlichen Beurteilenden.

Für das Gespräch mit Kundinnen und Kunden heißt das: Eine glattere, ebenmäßigere Haut ist belegt, aber in mildem Ausmaß. Versprechen wie „Falten weg“ lassen sich damit nicht stützen.

Microdermabrasion oder Hydra-Dermabrasion?

Beide Verfahren tragen ab und saugen ab, unterscheiden sich aber im Werkzeug und darin, ob Wirkstoffe Teil der Behandlung sind:

Microdermabrasion und Hydra-Dermabrasion im Vergleich
MerkmalMicrodermabrasionHydra-Dermabrasion
AbtragAluminiumoxid-Kristalle oder DiamantaufsatzFlüssigkeit, oft mit Säure, ohne Kristalle
Unterdrucksaugt Kristalle und Hautschüppchen absaugt Lösung, Talg und Hautschüppchen ab
Wirkstoffenicht Teil des VerfahrensSerum ist Teil des Verfahrens
Belegte Effektemild, vor allem Hautstruktur und Pigmentfleckenaus kleinen Studien mit zusammen 100 Personen
Protokolle in Studien6 bis 8 Sitzungen, wöchentlich bis alle 2 Wochen6 Sitzungen alle 7 bis 14 Tage
Hautbarrierenach 2 Tagen erholt (Diamant)keine Daten

Eine Studie, die beide Verfahren direkt vergleicht, haben wir in der medizinischen Datenbank PubMed nicht gefunden (Stand 01.10.2026). Die Microdermabrasion ist besser untersucht, mit milden Effekten; zur Hydra-Dermabrasion gibt es nur wenige kleine Studien.

Was unterscheidet Microdermabrasion vom Microneedling?

Microdermabrasion trägt an der Oberfläche ab, Microneedling sticht mit feinen Nadeln durch die Oberhaut bis in die Lederhaut. Der Unterschied hat rechtliche Folgen: Weil Microneedling die Haut gezielt verletzt, berührt es die Grenze zur Heilkunde und unterliegt strengeren Hygieneregeln. Mehr dazu im Beitrag Microneedling im Studio. Eine Studie, die Microdermabrasion, Microneedling und Mikrovibration unter gleichen Bedingungen vergleicht, gibt es nach einer Übersicht von 2026 nicht.

Wie oft wird behandelt, und welche Gegenanzeigen gibt es?

In den Studien wurde wöchentlich bis alle 2 Wochen behandelt, meist 6- bis 8-mal. Nach einer Diamant-Microdermabrasion stieg der Wasserverlust der Haut direkt danach und nach 24 Stunden an; am 2. Tag lag er wieder beim Ausgangswert. Die Autoren halten wöchentliche Behandlungen deshalb für vertretbar.

Eine Leitlinie mit Gegenanzeigen zur Microdermabrasion haben wir nicht gefunden. Nach unserer Einschätzung gehören aktive Hautinfektionen und Herpes im Behandlungsgebiet, entzündete oder verletzte Haut und eine frische Sonnenbräune trotzdem in die Anamnese, wie bei anderen abtragenden Verfahren. Wie ein Anamnesebogen aufgebaut sein kann, zeigt der Beitrag Anamnese, Aufklärung, Einwilligung.

Welche Regeln gelten für Microdermabrasion?

  • NiSV: Mechanische Geräte stehen nicht in der Liste der Anlagen nach § 2 Abs. 1 NiSV; Microdermabrasion fällt deshalb nach unserer Einschätzung nicht unter die Verordnung. Hat ein Kombigerät weitere Applikatoren mit Radiofrequenz, Ultraschall oder Strom, gilt für diese die Fachkunde, wie in NiSV kompakt beschrieben.
  • MDR: Anhang XVI der MDR nennt die Microdermabrasion nicht; maßgeblich ist die Zweckbestimmung des Herstellers.
  • Hygiene: Bayern rechnet die oberflächliche Microdermabrasion ausdrücklich zur invasiven Kosmetik, für die die Hygiene-Verordnung gilt; in anderen Ländern hängt es vom Wortlaut der Verordnung ab. Was dann im Hygieneplan stehen muss, erklärt der Beitrag Hygieneplan im Kosmetikstudio.

Häufige Fragen

  1. 01 Was ist Microdermabrasion?

    Microdermabrasion ist ein mechanisches Peeling der obersten Hornschicht. Ein Applikator bläst feine Aluminiumoxid-Kristalle auf die Haut und saugt sie mit den gelösten Hautschüppchen wieder ab; bei der Diamant-Microdermabrasion trägt ein diamantbesetzter Aufsatz ab.

  2. 02 Was leistet eine Microdermabrasion nachweislich?

    Für die Microdermabrasion sind milde Effekte belegt, vor allem auf Hautstruktur und Pigmentflecken; bei feinen Fältchen sind die Ergebnisse uneinheitlich. Eine evidenzbasierte Übersicht sieht ihre Rolle bei Pigmentstörungen und Akne als begrenzt an.

  3. 03 Was ist der Unterschied zwischen Microdermabrasion und Hydra-Dermabrasion?

    Microdermabrasion trägt mit Kristallen oder einem Diamantaufsatz ab und saugt ab. Die Hydra-Dermabrasion arbeitet ohne Kristalle mit einer Lösung, saugt ab und bringt anschließend ein Serum ein. Eine Studie, die beide direkt vergleicht, haben wir in PubMed nicht gefunden.

  4. 04 Was ist besser: Microneedling oder Microdermabrasion?

    Ob Microneedling oder Microdermabrasion besser ist, lässt sich nicht pauschal sagen, weil beide unterschiedlich wirken: Microdermabrasion trägt an der Oberfläche ab, Microneedling sticht bis in die Lederhaut. Eine Studie, die beide unter gleichen Bedingungen vergleicht, gibt es nicht. Rechtlich ist Microneedling deutlich anspruchsvoller, weil es die Haut verletzt.

  5. 05 Wie oft sollte eine Microdermabrasion durchgeführt werden?

    In Studien wurde die Microdermabrasion wöchentlich bis alle 2 Wochen durchgeführt, meist 6- bis 8-mal. Nach einer Diamant-Microdermabrasion hatte sich die Hautbarriere nach 2 Tagen erholt.

  6. 06 Braucht man für Microdermabrasion eine NiSV-Fachkunde?

    Für eine reine Microdermabrasion ist nach unserer Einschätzung keine NiSV-Fachkunde nötig: Mechanische Geräte stehen nicht in der Liste der Anlagen nach § 2 NiSV. Hat ein Kombigerät aber weitere Applikatoren mit Radiofrequenz, Ultraschall oder Strom oberhalb der Schwellen, gilt für diese die Fachkunde.

Quellen

  1. Karimipour DJ et al.: Microdermabrasion: an evidence-based review. Plast Reconstr Surg 2010
  2. Spencer JM: Microdermabrasion. Am J Clin Dermatol 2005
  3. Grimes PE: Microdermabrasion. Dermatol Surg 2005
  4. Alam M et al.: Glycolic acid peels compared to microdermabrasion, right-left controlled trial. Dermatol Surg 2002
  5. Karimipour DJ et al.: Microdermabrasion: a molecular analysis following a single treatment. J Am Acad Dermatol 2005
  6. Karimipour DJ et al.: Microdermabrasion with and without aluminum oxide crystal abrasion. J Am Acad Dermatol 2006
  7. Freedman BM et al.: The epidermal and dermal changes associated with microdermabrasion. Dermatol Surg 2001
  8. Freedman BM et al.: Clinical and histologic changes determine optimal treatment regimens for microdermabrasion. J Dermatolog Treat 2002
  9. Coimbra M et al.: A prospective controlled assessment of microdermabrasion for damaged skin and fine rhytides. Plast Reconstr Surg 2004
  10. El-Domyati M et al.: Microdermabrasion: a clinical, histometric, and histopathologic study. J Cosmet Dermatol 2016
  11. Kim HS et al.: Skin barrier function recovery after diamond microdermabrasion. J Dermatol 2009
  12. Springer A et al.: Mechanically induced skin renewal: microneedling, microdermabrasion and microvibration. J Cosmet Dermatol 2026 – narrative Übersicht, von einem Kosmetikunternehmen finanziert
  13. Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention: FAQ zur Hygiene-Verordnung, invasive und dekorative Kosmetik – Stand 04/2026
  14. Verordnung zum Schutz vor schädlichen Wirkungen nichtionisierender Strahlung bei der Anwendung am Menschen (NiSV) – § 2 Abs. 1

Stand 01.10.2026. Dieser Beitrag informiert über Technik, Studienlage und Rechtslage. Er ersetzt keine ärztliche Beratung und keine Rechtsberatung.

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