Ratgeber · Gesicht & Haut
Botulinumtoxin oder Hyaluron: Was ist der Unterschied?
Botulinumtoxin, umgangssprachlich oft „Botox“ genannt, und Hyaluronsäure werden beide gegen Falten eingesetzt, wirken aber verschieden und unterliegen verschiedenem Recht. Dieser Beitrag ordnet beide sachlich ein; er wirbt für keine Behandlung und kein Präparat.
Stand 01.10.2026 · Übersicht mit Quellen, keine Rechtsberatung
Was ist der Unterschied zwischen Botulinumtoxin und Hyaluron?
Beide werden zur Faltenbehandlung injiziert, setzen aber an verschiedenen Stellen an: Botulinumtoxin wirkt auf die Muskeln, Hyaluronsäure füllt auf. Rechtlich trennt sie noch mehr, denn das eine ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel, das andere ein Medizinprodukt oder ein Produkt nach Anhang XVI der MDR.
| Merkmal | Botulinumtoxin | Hyaluron-Filler |
|---|---|---|
| Wirkprinzip | blockiert Nervenimpulse, Muskeln entspannen sich | füllt Falten und Volumen auf, bindet Wasser |
| Rechtlicher Status | verschreibungspflichtiges Arzneimittel | Medizinprodukt oder Produkt nach Anhang XVI der MDR |
| Marktzugang | Zulassung als Fertigarzneimittel | Konformitätsbewertung und CE-Kennzeichnung |
| Ergebnis hält laut DGÄPC | 3 bis 6 Monate | 6 bis 12 Monate, je nach Substanz und Bereich |
| Wer spritzen darf | Abgabe nur auf ärztliche, zahn- oder tierärztliche Verschreibung | Ärztinnen und Ärzte, Heilpraktiker; Kosmetikstudios nicht |
„Botox“ ist der Name eines Präparats; der Wirkstoff heißt Botulinumtoxin. Diese Unterscheidung hat das Bundesverfassungsgericht 2004 in einem Verfahren um die Internetseite eines Arztes festgehalten, der statt des Präparats nur noch den Wirkstoff nannte. Wir sprechen deshalb vom Wirkstoff.
Was ist Hyaluron?
Hyaluronsäure ist nach der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC) eine natürliche Substanz, die im menschlichen Körper vorkommt und große Mengen Wasser binden kann; mit dem Alter nimmt ihre Produktion ab. Das VG Aachen hat diese Eigenschaft 2020 so beschrieben: Hyaluronsäure binde „relativ zu ihrer Masse, sehr große Mengen an Wasser“, sodass schon kleinste Mengen im Gesicht Volumen aufbauen können.
Als Filler ist Hyaluronsäure kein Arzneimittel. Mit medizinischem Zweck ist sie ein Medizinprodukt, ohne ihn ein Produkt nach Anhang XVI Nr. 3 der MDR; verschreibungspflichtig ist Hyaluronsäure nur zur Anwendung im Gelenk und bei Pferden. Nach den Gemeinsamen Spezifikationen zur MDR muss die Kennzeichnung eines Fillers angeben, dass er nur von entsprechend ausgebildeten Angehörigen der Gesundheitsberufe verabreicht werden darf und nicht bei Personen unter 18 Jahren. Was Anhang XVI umfasst, erklärt MDR kompakt; dass die EU-Leitlinie MDCG 2023-5 auch vorgefüllte Nadelroller und Hyaluron-Pens als Filler behandelt, steht im Beitrag Microneedling im Studio.
Was ist Botulinumtoxin?
Botulinumtoxin ist ein Nervengift, das nach der DGÄPC Nervenimpulse blockiert, sodass sich die betroffenen Muskeln entspannen. Es steht in Anlage 1 der Arzneimittelverschreibungsverordnung: Arzneimittel damit dürfen nur auf ärztliche, zahnärztliche oder tierärztliche Verschreibung abgegeben werden. Als Fertigarzneimittel benötigt jedes Präparat eine Zulassung (§ 21 AMG). Für welche Anwendungen ein Präparat zugelassen ist, steht in seiner Fachinformation; darüber informieren Ärztinnen und Ärzte.
Wo werden Botulinumtoxin und Hyaluron eingesetzt?
Nach der DGÄPC wird Botulinumtoxin vor allem bei Mimikfalten eingesetzt, etwa bei Zornesfalten, Stirnfalten und Krähenfüßen. Filler dienen dem Auffüllen tieferer Falten und dem Aufbau von Volumen, etwa an Lippen, Wangen oder Kinn. Welche Behandlung im Einzelfall infrage kommt, entscheidet die Ärztin oder der Arzt nach Untersuchung und Aufklärung.
Wie lange hält das Ergebnis?
Nach der DGÄPC hält das Ergebnis bei Botulinumtoxin 3 bis 6 Monate, bei Hyaluron-Fillern 6 bis 12 Monate, abhängig von Substanz und behandeltem Bereich. Für Filler schreiben die Gemeinsamen Spezifikationen vor, dass die Gebrauchsanweisung die voraussichtliche Lebens- oder Resorptionsdauer des Produkts und die nötigen Folgemaßnahmen nennt; maßgeblich ist deshalb die Angabe des Herstellers.
Wer darf Botulinumtoxin und Hyaluron spritzen?
- Hyaluron: Das Unterspritzen von Falten ist Heilkunde; das OVG Nordrhein-Westfalen hat das 2006 im Fall einer Kosmetikerin entschieden. Ärztinnen und Ärzte sowie Heilpraktiker dürfen es, Kosmetikstudios nicht.
- Botulinumtoxin: Abgegeben werden darf es nur auf ärztliche, zahnärztliche oder tierärztliche Verschreibung; Heilpraktiker gehören nicht zu den verschreibenden Personen.
- Nadelfreie Hyaluron-Pens: Ob ihre Anwendung Heilkunde ist, entscheiden die Gerichte im Einzelfall.
Die Einzelheiten, auch zu offenen Fragen bei Heilpraktikern, stehen im Beitrag Wer darf was?
Was gilt für die Werbung?
Für verschreibungspflichtige Arzneimittel wie Botulinumtoxin darf nach § 10 Abs. 1 HWG „nur bei Ärzten, Zahnärzten, Tierärzten, Apothekern und Personen, die mit diesen Arzneimitteln erlaubterweise Handel treiben, geworben werden“. Nach einem Urteil des Gerichtshofs der Europäischen Union von 2009 kann auch die Information eines unabhängigen Dritten Werbung sein, wenn sie den Verbrauch eines Arzneimittels fördern soll.
Für Hyaluron gilt ein anderer Maßstab. Der Bundesgerichtshof hat 2025 entschieden, dass das Einbringen von Hyaluron mit einer Kanüle zur Veränderung von Form oder Gestalt des Körpers ein operativer plastisch-chirurgischer Eingriff ist; das VG Düsseldorf sah das auch bei einem nadelfreien Pen so. Für solche Eingriffe ohne medizinische Notwendigkeit verbietet § 11 HWG gegenüber Laien Werbung mit Vorher-nachher-Darstellungen und Werbung, die sich ausschließlich oder überwiegend an Kinder und Jugendliche richtet. Nach unserer Einschätzung sollten Praxen und Studios deshalb in der Werbung nur sachlich informieren, den Wirkstoff statt eines Präparatenamens nennen und auf Vorher-nachher-Bilder verzichten. Wann das Heilmittelwerbegesetz auch Gerätebehandlungen erfasst, zeigt der Überblick Apparative Kosmetik.

Häufige Fragen
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01 Was ist der Unterschied zwischen Botulinumtoxin („Botox“) und Hyaluron?
Botulinumtoxin blockiert Nervenimpulse, sodass sich Muskeln entspannen; es ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel. Hyaluron-Filler füllen Falten und Volumenverluste auf und binden Wasser; sie sind Medizinprodukte oder Produkte nach Anhang XVI der MDR. „Botox“ ist der Name eines Präparats, der Wirkstoff heißt Botulinumtoxin.
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02 Was ist Hyaluron?
Hyaluronsäure ist eine natürliche Substanz, die im menschlichen Körper vorkommt und große Mengen Wasser binden kann. Nach der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie nimmt ihre Produktion mit dem Alter ab. Als Filler wird sie in die Haut eingebracht, um Volumen aufzubauen.
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03 Was hält länger, Botulinumtoxin oder Hyaluron?
Nach der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie hält das Ergebnis bei Botulinumtoxin 3 bis 6 Monate, bei Hyaluron-Fillern 6 bis 12 Monate, abhängig von Substanz und Bereich. Die voraussichtliche Haltbarkeit eines Fillers muss der Hersteller in der Gebrauchsanweisung angeben.
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04 Wann wird Botulinumtoxin und wann Hyaluron eingesetzt?
Nach der Deutschen Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie wird Botulinumtoxin vor allem bei Mimikfalten wie Zornesfalten, Stirnfalten und Krähenfüßen eingesetzt, Filler bei tieferen Falten und zum Aufbau von Volumen, etwa an Lippen, Wangen oder Kinn. Welche Behandlung im Einzelfall passt, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.
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05 Ist Hyaluron ein Medikament?
Als Filler ist Hyaluron kein Arzneimittel. Hyaluron-Filler sind Medizinprodukte oder, ohne medizinischen Zweck, Produkte nach Anhang XVI der MDR. Verschreibungspflichtig ist Hyaluronsäure nur zur Anwendung im Gelenk und zur Anwendung bei Pferden.
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06 Wer darf Botulinumtoxin und Hyaluron spritzen?
Kosmetikstudios dürfen weder Botulinumtoxin noch Hyaluron spritzen. Botulinumtoxin ist verschreibungspflichtig und darf nur auf ärztliche, zahnärztliche oder tierärztliche Verschreibung abgegeben werden. Das Unterspritzen von Falten mit Hyaluron ist Heilkunde und damit Ärztinnen und Ärzten sowie Heilpraktikern vorbehalten.
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07 Sind Vorher-nachher-Bilder bei Hyaluron erlaubt?
Vorher-nachher-Bilder sind in der Werbung gegenüber Laien nicht zulässig. Nach dem Bundesgerichtshof ist das Einbringen von Hyaluron mit einer Kanüle zur Veränderung von Form oder Gestalt des Körpers ein operativer plastisch-chirurgischer Eingriff; für solche Eingriffe verbietet § 11 HWG Werbung mit Vorher-nachher-Darstellungen.
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie (DGÄPC): Fillerbehandlung – ohne Datum, abgerufen am 01.10.2026
- DGÄPC: Behandlung mit Hyaluronsäure – ohne Datum, abgerufen am 01.10.2026
- VG Aachen, Beschluss vom 26.02.2020 – 5 L 1404/19 – Rn. 57
- Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV) – § 1 und Anlage 1
- Arzneimittelgesetz (AMG), § 21
- Bundesverfassungsgericht, Beschluss vom 30.04.2004 – 1 BvR 2334/03 – Rn. 3
- Verordnung (EU) 2017/745 über Medizinprodukte (MDR), konsolidierte Fassung vom 19.07.2026 – Anhang XVI Nr. 3
- Durchführungsverordnung (EU) 2022/2346, konsolidierte Fassung vom 22.06.2023 – Anhang I Abschnitt 12.1, Anhang IV Abschnitte 5.1 und 6.1
- MDCG 2023-5: Guidance on qualification and classification of Annex XVI products – Abschnitt 3.5, rechtlich nicht verbindlich
- OVG Nordrhein-Westfalen, Beschluss vom 28.04.2006 – 13 A 2495/03 – Rn. 19
- Heilmittelwerbegesetz (HWG) – §§ 1, 10 und 11
- Bundesgerichtshof, Urteil vom 31.07.2025 – I ZR 170/24 (Hyaluron-Nasenkorrektur) – Leitsatz
- VG Düsseldorf, Beschluss vom 12.06.2025 – 20 L 1075/25 – Rn. 55 bis 57
- Gerichtshof der Europäischen Union, Urteil vom 02.04.2009 – C-421/07 (Damgaard)
Stand 01.10.2026. Dieser Beitrag informiert über Wirkprinzip und Rechtslage. Er ersetzt keine ärztliche Beratung und keine Rechtsberatung und wirbt für keine Behandlung und kein Arzneimittel.








